Veranstaltungsrückblick – Energieeinsparung durch Umstellung auf Erneuerbare Energien und Möglichkeiten im eigenen Haushalt

Die Veranstaltung der Kreisverbände Südliche Weinstraße, Landau und Germersheim von Bündnis 90/Die Grünen mit dem Schwerpunktthema Energieeinsparung durch Umstellung auf Erneuerbare Energien und dem Aufzeigen der vielfältigen Möglichkeiten der  Energieeinsparung im eigenen Haushalt am 09. Mai im Mehrgenerationenhaus in Offenbach/Queich stieß auf reges Interesse.

Eingeladen waren:

  • Lisett Stuppy, MdL RLP, Verbraucherschutzpolitische Specherin
  • Hans Weinreuter, Verbraucherzentrale RLP, Abteilungsleiter Energie und Bauen
  • Claudia Klingner-Kaufmann, Initiative Südpfalz Energie (ISE)

Vor über 30 Gästen erläuterte Lisett Stuppy in ihrer Funktion als verbraucherschutzpolitischen Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen in RLP  die immense Bedeutung der seit dem Beginn des Ukrainekrieges gestiegenen Energiepreise für die Bevölkerung.

Explodierende Energiepreise werden zunehmend zur sozialen Frage, so Frau Stuppy weiter. Eine Entlastung der Verbraucher:innen und hier in erster Linie Familien mit vielen Kindern stehen dabei im Mittelpunkt.

Hierfür seien auch seitens der Bundesregierung spürbare und schnelle Entlastungsmaßnahmen umgesetzt und wirksam geworden, so bspw. ein Heizkostenzuschuss ausgezahlt, Energiepreisobergrenzen festgelegt, die Umlage des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) zurückgenommen, Kindergeld und Kinderbonus erhöht und steuerliche Erleichterungen wirksam vorgenommen worden. Eine Erleichterung für alle Berufstätigen sei das gut angenommene Deutschlandticket, ergänzt Frau Stuppy.

Sehr konkret wird Frau Stuppy bei den von der Landesregierung angebotenen Brennstoffhilfen, die über den Link https://heizkostenhilfe.rlp.de abrufbar sind und neben Hilfen für Privathaushalte auch Unterstützung von Firmen anbieten.

Zuletzt verweist Lisett Stuppy noch auf das Kommunale Investitionsprogramm Klimaschutz (KIPKI), das mit einer Ausschüttung von 250 Mio € für RLP und konkret 44 € je Bürger:in die Forcierung von Maßnahmen mit hohem CO2-Einsparweffekt in den Kommunen unterstützen soll.

Im zweiten Vortrag geht Hans Weinreuter, verantwortlich für Energie und Bauen in der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wie bereits am Vortag im SWR-Fernsehen, auf die Notwendigkeit eines schnellen Umstiegs auf Erneuerbare Energien und die zwingend erforderlich Reduzierung des Energieverbrauchs ein.

Herr Weinreuter legt offen, dass energetische Sanierungen in Häusern enormen Einspareffekt erbrächten. Dabei seien die die Möglichkeiten der Sanierung vielfältig.
Die größte Einsparung sieht Herr Weinreuter im Heizungsbereich, von bis zu 35 %, bspw. durch Nutzung der Brennwerttechnik mit Solarthermie, aber auch durch Fassadendämmung von bis zu 25 %.

Die größten Einflussgrößen auf den Stromverbauch haben das Alter der Geräte, die Anzahl Strom verbrauchender Geräte, die Warmwasserbereitung und das Nutzerverhalten. Im Mittel gehen in HH für IT-Technik, TV, … 28 % der Stromkosten drauf, für Waschen u. Trocknen 14 % und für Licht 13%. Eigenstromerzeugung über eine Photovoltaikanlage, sofern installierbar, hilft die Stromkosten spürbar zu senken.  

Mit der Vorstellung der Flyers „20 % weniger Stromverbrauch“, und „20 % weniger Heizenergie“, die aktuell anlaufen, bewirbt Hans Weinreuter eine auf allen medialen Wegen laufende Energieeinspar- und verbesserte Wärmenutzungsaktion.

Hierzu erläutert er die seit 01.03.23 geltenden Fördersätze der „Bundesförderung für Effiziente Gebäude (BEG)“

Zur individuellen Beratung empfiehlt Herr Weinreuter vor Energieberater:innen zu kontakten über den Link  www.energie-effizienz-experten.de.

Die komplette Übersicht der Förderprogramme können über die Seite der Verbraucherzentrale RLP

www.energieberatung-rlp.de abgerufen werden.

Kostenlose Energieberatungen sind unter
0800 60 75 00 telefonisch oder unter

energie@vzrlp.de per email möglich

VZ-Standorte in der Süd- und Südwestpfalz gibt es in

  • Landau
  • Wörth
  • Germersheim
  • Dahn
  • Pirmasens

Abschließend gibt Herr Weinreuter noch eine Verbraucherpolitische Bewertung ab und fordert darin:

  • Wir brauchen den 3-Klang aus Ordnungsrecht, CO2-Preis sowie gezielter und
    dauerhafter Förderung – am besten einkommensabhängig.
  • Wärmepumpen zur Gebäudeheizung sind die effektivste und neben Fernwärme und begrenzt) Holzpelletheizungen mittelfristig die kostengünstigste Lösung für die
    Beheizung der Gebäude.
  • Das untere Einkommensdrittel muss finanziell zusätzlich unterstützt werden, die
    Differenz bei den Investitionskosten zu einfachen Öl- oder Gasheizungen auszugleichen.
  • Der Fachkräftemangel muss dringend behoben werden und eine Qualifizierung muss erfolgen.
    Die Preise der Wärmepumpen müssen sinken!
  • Mehr Anbieter plus Investitionssicherheit
  • Es muss eine Qualitätssicherung und ein Monitoring auf dem Heizungssektor
    stattfinden.
  • Wärmedämmmaßnahmen müssen genau so umfangreich gefördert werden wie der
    Heizungstausch.

Nichtstun wird mittel- und langfristig teurer.

Im letzten Beitrag des Abends geht Frau Klingner-Kaufmann von der Initiative Südpfalz Energie (ISE) auf die Möglichkeiten der Energieeinsparung in Privathaushalten ein.

Sie fordert ein konsequentes Umdenken und Hinterfragen.

Aus ihrer Sicht können bis zu 1000 € Energiekosten durch bewusstes energiesparendes Verhalten eingespart werden. Gerade für Familien und Haushalten mit weniger Einkommen könne das entscheidend sein.

So lässt sich durch nicht benötigte Dauerstromverbraucher (TV, Stromleuchten), automatische Lichtabschaltungen, Nutzung kleinerer Bildschirme, verringerte Gefrierteilkombinationen, Änderung des Verhaltens beim Wäschewaschen, Verzicht auf Trockner und auch die gezieltere Nutzung der Smartphone- und Streamingdienste sehr viel Energie einsparen.

Hinzu kommt, dass auch das Duschverhalten durchaus überdenkenswert ist. Hier sei ein hohes Sparpotenzial gegeben. Bei Familien mit Kindern könne hier sehr leicht ein Finanzanreiz zur Energieeinsparung gegeben werden. Wer verbraucht am wenigsten Energie und was für Ideen können besonders hervorgehoben werden.

Aus eigener Erfahrung weist Frau Klingner-Kaufmann darauf hin, dass Photovoltaikanlagen auch bei Ost-Westausrichtung auf beiden Dachflächen eine vollumfängliche Eigenversorgung mit Energie sicherstellen können. Der Strombezugspreis gehe auch bei kleinerer Dachflächennutzung deutlich zurück. In Eigentums- und Mietwohnungen könne man Balkonmodule anbringen, die mittlerweile auch gefördert werden. Für Hausgemeinschaften (auch für Mieter in Mietstrommodellen) empfehle sich eine gemeinsame Dachnutzung zur Solarstromgewinnung.

Im weiteren verweist Frau Klingner-Kaufmann auf die Energiesparbroschüre der ISE hin, die weitere wichtige Ideen der Energieeinsparung beinhaltet. Diese  Broschüre gibt es neben der deutschen, auch in türkischer und bald auch in französischer Sprache. Eine Übersetzung in weitere Sprachen ist in Planung. Sie könne gegen Portoersatz von ihr zugesandt oder auf der Homepage der ISE abgerufen werden.

Am Ende geht Frau Klingner-Kaufmann auf die Fördermöglichkeiten ein, die bei der Energieumstellung auf Erneuerbare Energien gewährt werden. Gerade die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) biete hier eine zinsgünstige Darlehn an. Energieberater helfen bei der Beantragung von Zuschüssen bei der BAFA (Bundesamt f. Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle).

Die Nutzung von Bausparverträgen sei zu empfehlen. Bausparkassen bieten zu langfristig günstigen Konditionen Kredite an, die auch für ältere Interessent:innen nutzbar sind. Rentner:innen bis zum 80. Lebensjahr sind grundsätzlich kreditantragsfähig und werden von Banken bedient.

Im Namen der drei einladenden grünen Kreisverbände dankt Peter Kallusek den ReferentInnen und dem Publikum für das Interesse und die vielen gestellten Fragen. Er verweist auf die sehr zeitnahe Bildung einer Bürgerenergiegenossenschaft in der Südpfalz und gibt eine erste Terminierung bekannt.

Hierzu seien alle Interessierten eingeladen teilzunehmen. Ziel sei, „Energie aus Bürgerhand“ zu realisieren und eine breite Beteiligung der Bevölkerung beim Photovoltaik- und Windkraftausbau zu erreichen. Und das zu erschwinglichen Anteilen. Hierzu bald mehr.