Rückblick: Veranstaltung „Gesundes Essen für Kinder und Jugendliche“

Unter der Headline „Gesundes Essen für Kinder und Jugendliche“ haben die drei
Kreisverbände der GRÜNEN in der Südpfalz am Freitag, den 27.02., nach Edenkoben
eingeladen. Die gut zweistündige Veranstaltung, zu der die Direktkandidatin der GRÜNEN im
WK 50, Landau m. Edenkoben und Maikammer, Dr. Lea Heidbreder, gut 25 interessierte
Zuhörerinnen begrüßte, waren 6 hochkarätige Referentinnen aus dem Bereich Ernährung gekommen, die mit Ihren Impulsreferaten das Publikum zu fesseln wussten.

Frau Dr. Heidbreder eröffnete die Veranstaltung mit den Worten „Gute und hochwertige Ernährung von Kindesbeinen an, ist beste Voraussetzung für eine positive Lebensentwicklung und ein gesundes und nachhaltiges Leben“ und stellte die Referentinnen zu ihren Impulsbeiträgen vor.

Aus dem Europaparlament war der GRÜNE landwirtschaftspolitische Sprecher, Martin
Häusling
, aus Brüssel angereist. Häusling, selbst Betreiber eines Biolandhofes kritisierte die
EU-Landwirtschaftspolitik, die immer nur auf Masse setzt und Großbetriebe stark subventioniert,
dabei aber die Qualität der Lebensmittel aus dem Fokus verliert. Die daraus folgenden hohen –
erlaubten- Pestitzid- und Düngemitteleinträge belasteten die Umwelt, den Boden und das
Grundwasser grundlegend.

Die Ewigkeitschemikalie PFAS wirke zudem lebensverringernd, was insbesondere bei Männern
nachweisbar ist. Martin Häusling kritisierte zudem die geplante Liberalisierung zur Ausbringung
gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft. Einmal ausgebracht seien sie nicht
mehr rückholbar, was sich auch auf den Insektenbestand negativ auswirken werde. Eine
Resistenz der Pflanzen für Pilze und schädliche Keime sei mit Einsatz von gentechnisch
verändernden Pflanzen nicht nachweisbar.

Samuel Himmel vom Landesverband Bioland aus Mainz betonte, dass der Wunsch, immer
mehr Nahrungsmittel zu produzieren, auf Kosten der Natur und unseres Bodens mit seiner
gesamten Artenvielfalt gehe. „Bioland und Demeter lehnen den Einsatz von Herbiziden und
Pestiziden ab. Ziel sei es den Boden so zu behandeln, dass der Ertrag von Gemüse und Obst
dauerhaft ohne die Chemiekeule möglich sei.“

Jaqueline Lutz und Daniel Olmo vom Freiluftatelier zeigten in ihrer Präsentation am Beispiel
ihres angelegten Permakulturgartens, wie ein Leben im Einklang mit der Natur aussehen kann.
„Es gelte schonend und behutsam mit allem Leben umzugehen“ und dem Motto entsprechend
zu leben: „Begrenze Konsum und Wachstum und teile Überschüsse“. Der Frage nachgehend
„Wie wollen wir leben“ und „Was nährt uns wirklich“ heben sie darauf ab, die elementaren
menschlichen Bedürfnisse „Fortschritt und Natürlichkeit“ nicht gegeneinander, sondern
miteinander zu denken und zu entwickeln.

Andrea Hiller berichtet aus ihrer Praxis für Ernährungstherapie in Kirrweiler, dass viele
Kinder schon im Kindergartenalter übergewichtig seien, bundesweit 20 %. Viele Kinder leiden
auch seelisch unter ihrem Übergewicht.

Leider bieten nicht alle Kitas warme Mahlzeiten an, bundesweit erhalten immerhin 3 Mio. Kinder
eine warme Mahlzeit. Wichtig sei Gemüse und Obst, das vor Ort frisch zubereitet werden sollte.

Wichtig ist für Kinder auch, dass sie bei der Nahrungszubereitung mithelfen dürfen. So werde
Begeisterung geweckt, die sie mit nach Hause bringen würden. Was sollten Eltern wissen, um
Ihr Kinder gesund entwickelt zu sehen: mehr Rohkost, Gemüse, unbehandeltes Obst, mehr
Fisch, Milch- und Vollkornprodukte, weniger Fleisch, viel Flüssigkeit, aber keine künstlich
gesüßten Getränke.

„Für die gesunde Ernährung unserer Kinder sollte kein Preis zu hoch sein“, so Frau Hiller
abschließend.

Eva Wick von Bioland, Mainz, stellte das KIRA-Projekt vor, das bioregionale Lebensmittel
für die Gemeinschaftsverpflegung, konkret für Kitas, einkaufe und hierzu 65 biozertifizierte
Betriebe benennt, die das Projekt unterstützen. Diese Betriebe persönlich kennenzulernen und
den Anbau von Nahrungsmitteln zu erleben, sei für die Kinder wichtig.

Diese bioregionale Versorgung von Lebensmitteln sei mittlerweile fast flächendeckend
gesichert. Wichtig ist, so Frau Wick, dass „nur der Jahreszeit gemäße Nahrungsmittel genutzt
und Gerichte entsprechend ausgerichtet werden“. Hier kann im großen Maße CO2 eingespart
werden.

Ihre Forderung an die Politik: „Bioquoten in den Küchen städtischer Einrichtungen festzulegen“.
Über die bioregionale Gemeinschaftsverpflegung können auch kleinere landwirtschaftliche
Betriebe einen festen Absatzmarkt bekommen und dem Höfesterben entgegengewirkt werden.

In der abschließenden Runde, bei der die ZuhörerInnen zu Wort kamen, wurde es nochmal
sehr lebendig. Kritisiert wurde, dass bei uns Deutschen viel zu sehr auf den Preis geschaut
werde und viele oft nur das billigste kaufen und nicht ausreichend auf Qualität geschaut werde.

Martin Häusling gibt zu Bedenken, dass kaum mehr Getreide selbst gemahlen werde, wodurch
der Mühlenbestand immer weiter zurückgehe. Daniel Olmo von Freilichtatelier fordert
leidenschaftlich ein, dass wir über Bildung reden müssen. „Richtige Ernährung müsse in alle
Schulen als Unterrichtsfach aufgenommen werden“. „Essen sei ein emotionaler Vorgang, der
alle Sinne anspreche“.

Dr. Lea Heidbreder dankt allen ReferentInnen für diese sehr fundierten Ausführungen und hebt
hervor, dass „gesundes Essen noch viel stärker in das Bewusstsein der Menschen gerückt
werden müsse“. Diese Veranstaltung habe einen wichtigen Grundstein hierzu gelegt. „Dass die
Zuckersteuer an der CDU/CSU gescheitert sei, zeige aber, wie wenig Rücksicht noch immer auf
die Gesundheit der Kinder von der Nahrungsindustrie und vielen Politikvertreter*innen
genommen wird“. Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden. „Wir alle sollten regionale und
vollwertig erzeugte Produkte einkaufen, und die bioregionale Gemeinschaftsverpflegung auch
auf Schulen und Betriebe ausdehnen.“ Damit verbunden wäre auch eine wesentliche Reduktion
der CO2-Belastung (Anteil der Landwirtschaft am gesellschaftlichen Gesamtverbrauchs für
Transportwege, Produktion, für Dünger- und Schädlingsbekämpfung liegt bei 30 %)